Daniel 12 ist der Schluss der detaillierten Vorhersage, die mit Daniel 10 eingeleitet und in Daniel 11 mit dem persischen Reich begonnen wird. Sie endet in diesem Kapitel mit der Wiederkunft Jesu.

Daniel 12,1-3
Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine so große Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande. Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.


Um Daniel 12 richtig verstehen zu können, müssen wir die Texte ab Daniel 11,40-45 hinzuziehen, da Daniel 12 eine Fortsetzung davon ist. In Daniel 11,40 sind wir bei der Zeit des Endes angelangt. Nachdem nun der Nordkönig seine Zelte aufgeschlagen hat (vgl. Daniel 11,45) wird Jesus (Michael = "Wer ist wie Gott", vgl. Judas 1,9) sich für sein Volk aufmachen, da die Trübsal auf Erden so groß geworden ist, wie sie nie auf Erden war.

Dieses "aufmachen" oder "aufstehen" kann wohl darin gedeutet werden, dass Jesus sich nun aufmacht, um sein Reich zu übernehmen. Es ist die Reaktion Gottes auf die Taten des Nordkönigs. Dies ergibt sich daraus, dass in Daniel 11,2 beschrieben ist, dass Könige "aufstehen", wenn sie das Reich übernehmen.

Hinweis: Christus dient derzeit im Himmel für sein Volk. Denn die Erde steht immer noch unter dem Fluch der Sünde. Wenn Jesus sich dann aufmachen wird, wird er der Sünde ein Ende machen und sein ganzes Reich einnehmen. Er wird dann seine priesterlichen Gewänder ablegen, ein königliches Gewand anziehen (vgl. Offenbarung 19,11-16) und als König aller Könige wiederkommen.

Hinweis: Auch in Apostelgeschichte 7,56 sieht Stephanus Jesus stehen. Man bedenke, dass in Daniel 9,27 eine Prophezeiung über das Ende des Volkes Israels als auserwähltes Volk Gottes steht. Diese Prophezeiung erfüllte sich, als Stephanus vor dem Hohen Rat der Juden stand und ihnen ihre Sünden aufzeigte und sie ihn dann steinigen ließen. Als Stephanus starb, sah er den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes stehen. Wenn Jesus aufsteht, dann deshalb, weil ein zeitlicher Abschnitt zu Ende geht. Damals ging die Zeit des Volkes Israel als auserwähltes Volk Gottes zu Ende. In Daniel 12 ist es die Gnadenzeit, die enden wird. Diese Gnadenzeit ist den Menschen gewährt, um das Geschenk der Erlösung anzunehmen.

Was hat es nun mit der trübseligen Zeit auf sich?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir einen Ausflug ins Neue Testament machen, denn in Matthäus 24 ist von einer solchen großen Bedrängnis die Rede, wie sie nie gewesen ist und auch nicht wieder sein wird. Jesus erzählte seinen Jüngern, dass der Tempel in Jerusalem zerstört werden würde. Für die Jünger war dies damals unvorstellbar und so setzten sie dieses Ereignis mit dem Ende der Welt gleich. Ihre Frage an Jesus macht diese Haltung deutlich:

Matthäus 24,3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?

Obwohl zwischen der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. und der Wiederkunft Jesu jetzt schon fast 2000 Jahre liegen, hat Jesus die Frage der Jünger damals sehr genau beantwortet. Jesus zeigte anhand chronologischer Ereignisse auf, was sich bis zu seiner Wiederkunft alles ereignen würde:

Matthäus 24,15-20 Wenn ihr nun sehen werdet das Greuelbild der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,27; 11,31) - wer das liest, der merke auf! -, alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist; und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht zurück, seinen Mantel zu holen. Weh aber den Schwangeren und den Stillenden zu jener Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.

Die Parallelstelle in Lukas 21,20-24 macht deutlich, dass es sich bei diesem Ereignis um die Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. handelt.

Matthäus 24,21.22 Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.

Am Anschluss an die Zerstörung des Tempels, so Jesus, sollte sich eine große Bedrängnis für die Christen ereignen. Dabei erwähnte Jesus eine Zeit, die verkürzt werden sollte. Nun, eine Zeit kann man nur dann verkürzen, wenn sie vorher bekannt gegeben wurde. Daher muss es sich um eine prophetisch angekündigte Zeit handeln, die dann für Christen eine große Bedrängnis sein sollte. Diese Zeit erfüllte sich im Mittelalter, als Millionen von Christen vom päpstlichen Rom verfolgt und auch getötet wurden. Auch wurde dieser Zeitabschnitt an mehreren Stellen in der Bibel vorhergesagt. Einmal in Daniel 7,23-26, denn dort wird beschrieben, wie ein kleines Horn über einen Zeitraum von 1260 Jahren (538 n. Chr. - 1798 n. Chr.) die Heiligen verfolgen würde. Ein anderes Mal in Offenbarung 13,1-7. An dieser Stelle ist von einem Tier die Rede, das ebenfalls über einen Zeitraum von 1260 Jahren die Heiligen vernichten würde. Auch erfüllte sich für diesen Zeitraum die Vorhersage Jesu, dass die Zeit verkürzt werden würde. In Folge der Reformation hörten die Verfolgungen nämlich schon vor dem Ende der 1260 Jahre, der Vorherrschaft des päpstlichen Roms in Europa, auf. Um der Auserwählten Willen wurde diese Zeit verkürzt.

Matthäus 24,23-28 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus! oder: Da!, so sollt ihr's nicht glauben. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. Siehe, ich habe es euch vorausgesagt. Wenn sie also zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus; siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht. Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.

Nach der verkürzten Zeit, also nach 1798 n. Chr., sollte die Zeit der Verführung kommen. Durch Aufkommen der Evolutionstheorie, des Spiritismus und der vielen falschen christlichen Religionen, ist der Mensch heute in größerer Gefahr als je zuvor, verführt zu werden. Krönung der Verführung wird sicherlich sein, dass Satan sich selbst als Christus ausgeben wird. Er wird sich den Menschen zeigen und somit viele Menschen zum Ungehorsam gegenüber den Geboten Gottes verleiten. Dies kann man daher ableiten, weil die Bibel die Wiederkunft Jesu in allen Einzelheiten beschreibt. Dies macht aber nur dann Sinn, wenn ein anderer die Wiederkunft Jesu nachahmen wird. Anhand der biblischen Details kann man aber den Verführungen Satans entkommen.

Wir haben also in der Bibel zwei Trübsalzeiten beschrieben, die so nie gewesen sind. Nach Daniel 12,1 findet eine dieser Trübsalzeiten am Ende der Zeit statt und nach Matthäus 24,21 eine zur Zeit des Mittelalters. Wie kann das nun sein, dass es verschiedene Trübsalzeiten gibt, die so nie gewesen sind?

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: die erste Trübsalzeit, die nie gewesen ist und auch nicht wieder sein wird, war die größte Trübsal, was die Dauer anbelangt. Während eines Zeitraums von 1260 Jahren wurde das Volk Gottes durch das päpstliche Rom verfolgt. Bei der zweiten Trübsal am Ende der Zeit wird es die Ausdehnung sein, was sie zur größten Trübsalzeit macht, weil sie weltweit sein wird.

Betrachten wir nun die hier erwähnte Auferstehung:

Wenn Jesus sich nun aufmachen wird, sein Reich einzunehmen, wird es eine Auferstehung geben, bei der sowohl Gerechte zum ewigen Leben, als auch Gottlose zu ewiger Schmach und Schande auferstehen werden. Die Frage ist jetzt, um welche Auferstehung es sich hier handelt.

Wir wissen, dass bei der nahe bevorstehenden Wiederkunft Jesu nur diejenigen auferstehen werden, die in Jesus gestorben sind. Die Gottlosen werden nach Offenbarung 20,5 erst 1000 Jahre später zum Gericht auferstehen. Bei der hier nun erwähnten Auferstehung werden aber beide Seiten auferstehen. Nicht alle, aber viele. Dieser Text kann sich also nicht nur auf die allgemeine Auferstehung beziehen, die in 1. Thessalonicher 4,16.17 beschrieben ist und bei der nur die Gerechten auferstehen werden. Von daher muss es sich hier auch um die Auferstehung handeln, die kurz vor der Wiederkunft Jesu stattfinden wird:

Offenbarung 1,7 Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen.

Da diejenigen, die Jesus damals ans Kreuz geschlagen haben, noch in den Gräbern ruhen, müssen sie es sein, die kurz vor der Wiederkunft Jesu mit vielen Gerechten auferstehen werden, um das wunderbare Ereignis der Wiederkunft Jesu mitzuerleben. Dann werden sie erkennen, dass sie damals den Sohn Gottes ans Kreuz genagelt haben.


Jesus


Nun wollen wir noch kurz auf das erwähnte Buch eingehen. Denn jeder, der in diesem Buch steht, wird erlöst werden.

Als das in Daniel 7,9-14 erwähnte Gericht im Himmel begann, wurden Bücher aufgetan. Hier ist aber nur noch von einem Buch die Rede. Die Untersuchungen im Gericht haben wohl als Ergebnis, dass in einem Buch alle Namen der Erlösten stehen werden. In Offenbarung 21,27 steht geschrieben, dass auf die neue Erde nur diejenigen kommen, die im Buch des Lebens stehen. Von diesem Buch des Lebens muss hier wohl die Rede sein. Alle Namen, die im Gericht am Hause Gottes durch das Blut Jesu gerechtfertigt werden, werden im Buch des Lebens bleiben.

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Daniel 12,4
Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden.


Das ganze Buch Daniel wurde von Gott bis auf die letzte Zeit versiegelt. Zusätzlich wurde noch das Gesicht von den 2300 Abenden und Morgen in Daniel 8,13.14 geheim gehalten. Wir Menschen können ja die biblischen Botschaften nur durch den heiligen Geist verstehen:

Johannes 16,13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.

Nur wenn Gott uns durch den heiligen Geist in die biblische Wahrheit leitet, können wir sie verstehen. Zu Beginn des 19. Jhdt, zu Beginn der letzten Zeit also, schenkte Gott Erkenntnis über diese Prophezeiungen. Seit dieser Zeit durchforschen viele Menschen dieses biblische Buch und entdecken große Wahrheiten wie z. B. die Bedeutung der 2300 Jahre-Prophezeiung oder die Identität des kleines Horns. Es war der Beginn der weltweiten Advent-Bewegung (vgl. Offenbarung 10). Zusammen mit der Offenbarung ist das Buch Daniel das wohl wichtigste Buch für unsere Generation, die wir kurz vor der Wiederkunft Christi leben.


Daniel 12,5-7
Und ich, Daniel sah, und siehe, es standen zwei andere da, einer an diesem Ufer des Stroms, der andere an jenem Ufer. Und er sprach zu dem Mann in leinernen Kleidern ... Wann sollen denn diese großen Wunder geschehen? Und ich hörte den Mann in leinernen Kleidern ... Er hob seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwor bei dem, der ewiglich lebt, daß es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit währen soll; und wenn die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat, soll dies alles geschehen.


Der eine Mann will nun von Jesus (Mann in leinernen Kleidern) wissen, wann diese Wunder geschehen sollen. Welche Wunder sind denn gemeint?

Das Wort, das Luther hier mit Wunder übersetzt hat, kommt z. B. in Daniel 8,24 vor und wird dort mit ungeheures Unheil oder in Daniel 11,36 mit Ungeheuerliches übersetzt.

Diese ungeheuerlichen Ereignisse, vor allem die große Trübsal, sollten sich im Anschluss an einen bestimmten Zeitraum ereignen - den 3,5 Zeiten. Dieser Zeitraum entspricht nach dem Jahr-Tag-Prinzip 1260 Jahre. Wie wir in Daniel 7,25 gesehen haben, bezieht sich dieser Zeitraum auf die päpstliche Vorherrschaft, die im Jahre 1798 n. Chr. endete. Dieses Jahr markiert auch das Ende der Zerstreuung des Volkes Gottes.

Hinweis: Durch Sünde und Ungehorsam wurde das Volk Gottes von je her zerstreut. Das Volk Israel kam wegen Ungehorsams in assyrische und babylonische Gefangenschaft. Auch die Christenheit wurde durch das heidnische und päpstliche Rom verfolgt und zerstreut. Doch am Ende der Zerstreuungszeit, nach 1798 n. Chr., begann Gott sein Volk wieder zu sammeln. Im Mittelpunkt dieser Sammelzeit steht deshalb auch der Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes. Auch das Halten des biblischen Sabbats steht im Zentrum, da Ungehorsam die Ursache der Zerstreuung war.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist noch die Beschreibung des Mannes in leinernen Kleidern. Wie oben kurz angesprochen, handelt Offenbarung 10 ebenfalls vom Buch Daniel. Vergleichen wir mal zwei Verse:

Daniel 12,7
Und ich hörte den Mann in leinenen Kleidern, der über den Wassern des Stroms stand. Er hob seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwor bei dem, der ewiglich lebt...
Offenbarung 10,5.6
Und der Engel, den ich stehen sah auf dem Meer und auf der Erde, hob seine rechte Hand auf zum Himmel und schwor bei dem, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat und was darin ist, und die Erde und was darin ist, und das Meer und was darin ist: Es soll hinfort keine Zeit mehr sein...

Beide Texte haben mit dem Buch Daniel zu tun. Es fällt auf, dass der Mann in leinernen Kleidern und der Engel ein und dieselbe Person zu sein scheinen. Und jetzt das Interessante: Im Buch Daniel geht es viel um Zeitlinien oder um Vorhersagen, die die Zeit betreffen. Die letzte Vorhersage endet 1844 n. Chr. mit dem Beginn des Vorwiederkunftsgericht (vgl. Das Gericht). Der Engel in Offenbarung 10,5 macht aber noch zusätzlich deutlich, dass es keine weitere Zeit mehr geben wird. Mit anderen Worten: Es wird nach 1844 n. Chr. keine weiteren Ereignisse mehr geben, die sich durch prophetische Vorhersagen berechnen lassen. Nur noch Zeichen sind uns gegeben (vgl. Matthäus 16,3).

Hinweis: Sämtliche Versuche, das 2. Kommen Jesu oder sonst irgend welche Ereignisse in der Zukunft zu berechnen, können hiermit als Täuschung entlarvt werden.


Daniel 12,8-10
Und ich hörte es, aber ich verstand's nicht und sprach: Mein Herr, was wird das Letzte davon sein? Er aber sprach: Geh hin, Daniel; denn es ist verborgen bis auf die letzte Zeit. Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden's nicht verstehen, aber die Verständigen werden's verstehen.


Daniel verstand diese Prophezeiung nicht, was ihn aber nicht daran hinderte, sie aufzuschreiben. Er war sehr darauf bedacht, das Letzte dieser großen Ereignisse zu erfahren. Es war aber verborgen, bis auf die letzte Zeit.

Was war verborgen bis auf die letzte Zeit?

Nach Daniel 8,26 war das Gesicht von den Abenden und Morgen versiegelt. Am Ende dieser 2300 Jahre sollte das Heiligtum wieder geweiht werden. Wie wir in Daniel 8 gesehen haben, handelt es sich bei diesem Ereignis um den Beginn der Vorwiederkunftsgerichts und der Wiederentdeckung der Heiligtumslehre (vgl. Das himmlische Heiligtum).

Seit der letzten Zeit werden die Gläubigen geläutert und geprüft. Dies wird bis zur Wiederkunft Jesu andauern, da Laodizea, die letzte Gemeinde auf Erden (vgl. Offenbarung 3,14) von Jesus geprüft und geläutert wird. Die Gottlosen können diese ganzen Vorgänge nicht verstehen. Sie verstehen nicht, dass die Geschichte dieser Welt bald zu Ende gehen wird. So werden viele verloren gehen, weil sie nie nach Gott und nach seinem Willen gefragt haben und deshalb nicht die Zeichen der Zeit erkennen können.


Daniel 12,11.12
Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und das Greuelbild der Verwüstung aufgestellt wird, sind 1290 Tage. Wohl dem, der da wartet und erreicht 1335 Tage.


In Daniel 8,11 kann man eine ausführliche Erklärung über die Bedeutung des Täglichen finden. Von daher gibt es an dieser Stelle nur nochmals eine kurze Zusammenfassung. Das Wort Opfer kommt im Grundtext nicht vor. Das Tägliche (hebr. = tamid) wird immer in Verbindung mit dem Heiligtumsdienst verwendet. Deshalb bezieht sich die Abschaffung des Täglichen auf die Wegnahme des Fürsprecherdienstes Jesu im himmlischen Heiligtum. In Daniel 8 wird das Tägliche vom kleinen Horn weggenommen, was eindeutig ein Symbol für das Papsttum ist. Dadurch, dass Priester behaupten, die Sünden der Menschen vergeben zu können, wurde der Mittler- und Fürsprecherdienst Jesu auf sündige Menschen übertragen. Das Priestertum des päpstlichen Roms drängte sich zwischen die Menschen und den Hohenpriester Jesu im Himmel, der als Einziger die Sünden der Menschen vergeben kann. Nur Jesus kann Sünden vergeben, da er als Sohn Gottes das versöhnende Opfer auf Golgatha erbracht hat, das für alle Zeiten ausreicht, um Menschen ihre Verfehlungen vergeben zu können.

Betrachten wir nun das Greuelbild der Verwüstung:

Zunächst muss gesagt werden, dass es im Grundtext nicht Greuelbild, sondern nur Greuel heißt. Es geht also um ein Greuel der Verwüstung. Im Buch Daniel kommt dieser Ausdruck an drei Stellen vor:

Daniel 9,27 Und im Heiligtum wird stehen ein Greuelbild, das Verwüstung anrichtet ...

Daniel 11,31 Und seine Heere werden kommen und Heiligtum und Burg entweihen und das tägliche Opfer abschaffen und das Greuelbild der Verwüstung aufstellen.

Daniel 12,11 Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und das Greuelbild der Verwüstung aufgestellt wird, sind tausendzweihundertneunzig Tage.


Der erste Text bezieht sich auf die Zerstörung des Tempels 70. n. Chr. durch Rom, denn in den Tempel durfte niemand gehen, der dazu nicht von Gott ausgesondert war. Ein Heide oder ein heidnisches Heer hätte nie den Tempel betreten dürfen. Bei den letzten beiden Texten wird zuerst das Tägliche abgeschafft, also der Versöhnungsdienst Jesu, und dann das Greuel der Verwüstung aufgerichtet. Somit ist das Greuel der Verwüstung das Aufrichten einer Ersatzreligion oder eines Ersatzerlösungsplans. Es ist ein direkter Eingriff in den Erlösungsplan Gottes. Dies geschah 70 n. Chr. durch das heidnische Rom. Aber vor allem noch einmal im 6. Jhdt durch das päpstliche Rom. Das Papsttum übertrug dabei den Versöhnungsdienst Jesu auf seine Priester - es nahm Jesus das Tägliche weg - und richtete dann ein Greuel der Verwüstung auf, indem es Jesu Geschenk der Erlösung durch Selbsterlösung ersetzte.

Was hat es denn nun genau mit diesen 1290 Tagen auf sich?

Zuerst einmal entsprechen diese 1290 Tage nach dem Jahr-Tag-Prinzip 1290 Jahre. Des Weiteren haben diese 1290 Jahre mit dem Papsttum zu tun, da sie in direkter Verbindung mit der Abschaffung des Täglichen stehen. In Vers 7 haben wir bereits gesehen, dass das Papsttum 1798 n. Chr. eine tödliche Wunde erhielt und dadurch die päpstliche Vorherrschaft beendet war. Von daher enden diese 1290 Jahre genau wie die 1260 Jahre im Jahre 1798 n. Chr. Wenn wir nun rückwärts rechnen, so kommen wir in das Jahr 508 n. Chr. (1798 - 1290 = 508). Was geschah aber 508 n. Chr.?

Damals kam es in Europa zu entscheidenden Veränderungen. Der Krieg zwischen Chlodwig, dem König der Franken, und den Westgoten endete mit dem Sieg Chlodwigs. Dadurch wurden die Westgoten nach Spanien abgedrängt. Anschließend ließ sich Chlodwig taufen. Wie schon zu Zeiten Konstantins, ließ auch Chlodwig seine Soldaten durch einen Fluss gehen und anschließend erklärte ein Bischof, dass sie nun Christen seien. Bei diesem Krieg gegen die Westgoten ging es also nicht nur um rein politische Motive, sondern auch um religiöse. Dies kann man daran erkennen, dass sich Chlodwig am Anschluss an den Sieg taufen ließ.

Die Westgoten waren arianische Christen, die glaubten, Christus sei ein erschaffenes Wesen. Die Auffassung der römischen Kirche widersprach diesen Ansätzen. Als Chlodwig die Westgoten nach Spanien abdrängte, war dies zugleich ein Sieg des Bischofs von Rom im theologischen Streit mit den Arianern. Es war der Beginn der Beziehungen zwischen Kirche und Staat, um religiöse Meinungen mit Hilfe der Staatsmacht durchzusetzen.

Betrachten wir jetzt noch die 1335 Tage.

Wenn wir uns ausgehend vom Jahre 508 n. Chr. die 1335 Tage anschauen, so bringen sie uns unter Berücksichtigung des Jahr-Tag-Prinzips in das Jahr 1843 n. Chr. (508 + 1335 = 1843). Dieses Datum hat in erster Linie nichts mit den Machenschaften des päpstlichen Roms zu tun.

In Daniel 8,14 haben wir gesehen, dass die Vorhersage von den 2300 Abenden und Morgen im Jahre 1844 n. Chr. endetet. Dieses Jahr markiert den Beginn der himmlischen Untersuchungsgerichts. Was aber war ein Jahr zuvor? Warum soll es denen Wohl ergehen, die das Jahr 1843 erleben?

William Miller entdeckte aufgrund seines Bibelstudiums, dass sich im Jahre 1844 n. Chr. etwas Gewaltiges ereignen müsste. Er deutete die Reinigung des Heiligtums aus Daniel 8 auf die Wiederkunft Jesu. Je näher dieses Datum kam, desto größer und einflussreicher wurde die Millerbewegung. Diejenigen, die damals gelebt haben, haben ausgesagt, dass das letzte Jahr vor der erwarteten Wiederkunft das wohl schönste und segensreichste Jahr gewesen sei. Es herrschte Einheit unter den Geschwistern und eine große Freude auf den kommenden Herrn.

Als die erwartete Wiederkunft ausblieb, ging man zurück zur Bibel und suchte nach dem Grund dafür. Die Gläubigen erkannten, dass das Datum richtig war. Nicht aber das Ereignis. Im Jahre 1844 kam Jesus nicht wieder, sondern er ging ins Allerheiligste, um die letzte Phase seines Versöhnungsdienstes zu beginnen. Wohl dem, der dieses Jahr erreichte.



Zum Schluss noch einmal die Zeitlinie im Überblick:

Zeitlinie
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