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Kurz an(ge)dacht ...

 Trotzdem wissen wir inzwischen sehr genau, dass wir nicht durch Taten, wie das Gesetz sie von uns fordert, vor Gott bestehen können, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus. Wir sind doch deshalb Christen geworden, weil wir davon überzeugt sind, dass wir allein durch den Glauben an Christus von unserer Schuld freigesprochen werden; nicht aber, weil wir die Forderungen des Gesetzes erfüllen. Galater 2,16 (Hoffnung für alle)


Wie recht er hat, unser Bruder Paulus! Erlösung ist kein Verdienst, sondern ein Gnadengeschenk Gottes. Das rein gedanklich zu verstehen bereitet uns keine Schwierigkeiten, aber wenn es darum geht, im christlichen Alltag diesem Grundsatz gemäß zu leben, kommt mancher ins Schleudern. Gerechtfertigt ohne eigenes Zutun? - das geht uns gegen den Strich. Insgeheim lieben wir nämlich die Werkgerechtigkeit. Wir möchten etwas fürs Heil tun, möchten Leistungen sehen und vollbringen, möchten Gott etwas anbieten, zu dem er erfreut "Ja!" sagt.

Zur Zeit des Apostels Paulus lehrten einige Rabbiner, der Gläubige müsse sich vorstellen, er befinde sich mit seinem Schicksal in einer Waagschale. Sobald er ein gutes Werk mehr tue, als das Gegengewicht in der Schale der Schuld wiege, finde er bei Gott Anerkennung. Tue er zu wenig, werde er verdammt.

Selbst heute ist manchem Christen dieses Waagschale-Denken nicht fremd. Ein Kranker wurde mit den Worten ermutigt: "Gott ist sehr gut zu Ihnen gewesen!" Die Antwort war: "Ja, aber ich bin zu ihm auch nicht schlecht gewesen!"

Nicht, dass gute Werke für das Christsein bedeutungslos wären! Paulus, der so eindeutig von der Gnade spricht, wünschte den Gläubigen in Thessalonich: Unser Herr Jesus Christus "tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort" (2 Ths 2,17). Aber - und das ist entscheidend: Unsere guten Taten sind nicht Voraussetzung für unsere Erlösung, sondern die Frucht des Erlöstseins.

Wer im Tun des Guten einen Weg sieht, sein Schuldenkonto bei Gott in ein Habenkonto umzuwandeln, verschiebt die Akzente und versucht Unmögliches. Unsere Werke sind Antwort auf Gottes Liebe und Gnade, nicht Angebot oder Bezahlung!

Günther Hampel


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