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 Ein Psalm. Von David. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Psalm 23,1 (Elberfelder Bibel)


Ich arbeitete intensiv mit einem Pinsel an einer Schicht altorientalischer Erde. Die Sonne schien mir heiß auf den Rücken und um mich herum wirbelten Staubschwaden. Es war ein ganz normaler Ausgrabungstag in der Nähe von Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Wir arbeiteten gerade an einer altertümlichen Grabstätte, als ich plötzlich hinter mir ein lautes "y'alla, y'alla" hörte, was sich aus dem Arabischen ungefähr mit "Auf geht's, los weiter!" übersetzen lässt.

Als ich aufblickte, sah ich einen Hirten. Auf mich wirkte er, als wäre er geradewegs dem 23. Psalm entstiegen, so wie er langsam seine Herde am Fuß des Hügels entlangführte. Einen Hirtenstock in der Hand, ein Tuch um den Kopf geschlungen und seine Herde hinter ihm, die auf seine Stimme hörte und ihm folgte. Das ist genau das Bild, das auch David vor Augen hatte, als er diese uns gut bekannten Verse des 23. Psalms niederschrieb.

"Der HERR ist mein Hirte" (nur zwei Worte im Hebräischen) meinte für David, den ehemaligen Hirten und jetzigen König: Es ist der HERR, der göttliche Hirte, der mich als König (der ja auch eine Art Hirte ist) leitet. Obwohl ich König bin, stehe auch ich unter der Autorität Gottes. Er ist derjenige, der meine Wege leiten soll, mag David gedacht haben. Die Worte "mein Hirte" machen deutlich, dass er eine sehr persönliche Beziehung zu Gott hatte.

Gute Hirten achten genau darauf, dass ihre Schafe alles haben, was sie brauchen. Darum kann ich wissen: Wenn der Herr mein Hirte ist, dann kann mir eigentlich nichts fehlen. Das muss nicht unbedingt immer das sein, was ich zu brauchen meine, sondern vielmehr das, was der Hirte als lebenswichtig für mein Wohlergehen betrachtet.

Ich merke leider oft, wie sehr sich das, was ich haben will, von dem unterscheidet, was Gott mir geben möchte. Im obigen Andachtstext geht es allerdings nicht so sehr um mein Wollen, als vielmehr darum, dass mir nichts mangeln wird, weil der Hirte genau weiß, was ich benötige. Nicht das Schaf entscheidet, wo sich die grünste Weide und das klarste Wasser befinden, sondern der Hirte, wie David gleich anschließend deutlich machte (V. 2). Ich kann nur darum bitten, dass meine Wünsche mehr und mehr mit seinen Gaben übereinstimmen. Das muss wirkliches Glück sein, denn dann fehlt mir wirklich nichts mehr und ich kann in Gott ruhen.

Martin Klingbeil


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