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 Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit. 1. Timotheus 4,12


Der Apostel Paulus schrieb an einen seiner Mitarbeiter einen Brief. Aus dem obigen Satz erfahren wir, dass Timotheus ein junger Mann gewesen sein muss. Der Apostelgeschichte ist zu entnehmen, dass er Sohn eines griechischen Vaters und einer gläubigen jüdischen Mutter war und aus Lystra stammte (Apg 16,1). Diese Stadt liegt in der heutigen Türkei, etwa 150 Kilometer westlich von Tarsus, der Heimatstadt des Paulus.

Aus dem zweiten Brief an Timotheus (1,5) erfahren wir den Namen seiner Mutter (Eunike) und den seiner Großmutter (Lois). Er wuchs mit beiden auf. Von ihnen bekam er den christlichen Glauben vermittelt. Sein Name bedeutet: "Fürchte Gott".

Paulus lernte Timotheus kennen und nahm ihn auf seine Missionsreisen mit. Dabei lernte er diesen jungen Mann als Mitarbeiter schätzen und förderte ihn auch. Als Paulus weiter nach Mazedonien zog, ließ er Timotheus in Ephesus zurück (1 Tim 1,3). Alte christliche Überlieferungen berichten, dass Timotheus der erste Bischof von Ephesus war.

Aber warum schrieb Paulus den obigen Text an Timotheus? In führenden Positionen wird Reife und Lebenserfahrung erwartet, und so verwundert es nicht, dass manche Staatsmänner, Politiker und Wirtschaftsbosse ältere Männer sind. Warum wird jungen Menschen nicht mehr Vertrauen entgegengebracht? Bei der letzten Kommunalwahl in Monheim am Rhein wurde ein 27-Jähriger Bürgermeister und die Monheimer sind stolz auf ihn.

Wie sieht es in unseren Gemeinden aus? Zählt da die Meinung der Jugendlichen und der jüngeren Gemeindeglieder? Werden sie in Leitungsaufgaben gewählt? Werden sie gefördert und unterstützt? Oder haben sie mit den gleichen Vorurteilen zu kämpfen wie Timotheus in Ephesus?

Jesus nahm einmal ein Kind, stellte es neben sich und sagte zu seinen Jüngern: "Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf ... Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß." (Lk 9,48) Wenn der Glaube freudig bezeugt, Gottes Wahrheit gelebt und seine Liebe verkündigt wird, dann spielt es keine Rolle, wie alt der Redner ist. Die Worte des Paulus sollten uns da eine Richtschnur sein.

Holger Hentschke


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