Quelle: http://www.dasgeheimnis.de/web/andacht.php

Kurz an(ge)dacht ...

 Was immer auch geschieht, seid dankbar, denn das ist Gottes Wille für euch, die ihr Christus Jesus gehört. 1. Thessalonicher 5,18 (Neues Leben)


"Wachstum" ist das Zauberwort in der Krise. Nur durch Wachstum könne die Krise überwunden werden, sagen die Politiker und Wirtschaftsweisen. Es gäbe weniger Arbeitslose, der Staat würde mehr Steuern einnehmen, es gäbe mehr Wohlstand für alle. Wachstum ist das Schmiermittel der Marktwirtschaft. Ohne Wachstum funktioniert das ganze System nicht, kann die Wirtschaft nicht am Laufen gehalten werden.

Gemessen wird das Wachstum an der Veränderung des Bruttoinlandsproduktes (BIP), dem Wert aller im Inland erzeugten Endprodukte und Dienstleistungen. Deshalb ist alles gut, was Umsatz bringt. Mehr Auto fahren erhöht das BIP, weniger fahren, dabei Sprit sparen und die Umwelt schonen ist nicht gut fürs BIP. Auch die von der Umweltverschmutzung verursachten Kosten oder die Ausgaben für die Kriminalitätsbekämpfung erhöhen das BIP. Andere Leistungen wie die ehrenamtliche Arbeit oder die Erziehungsarbeit von Müttern und Vätern werden nicht berücksichtigt. Wegwerfen, neu kaufen, konsumieren, das ist der Wachstumsfetischismus unserer Gesellschaft. Wir müssen unzufrieden sein, mit dem was wir haben. Wir müssen immer nach Neuem streben, Neues anschaffen, um so das BIP zu erhöhen.

Unter dem Titel "Wir könnten auch anders" hat sich DIE ZEIT (Ausgabe 22/2009) in einem Dossier diesem Thema gewidmet. Eine Welt ohne Wachstum sei möglich. Wir müssten aber zunächst unsere Sicht zur überbewerteten und "heiligen" Lohnarbeit ändern oder durch ein neues Finanzsystem die Bedeutung des Geldes verringern. Insgesamt hätte das etwas mit einer "neuen Bescheidenheit" zu tun, wie es der Volkswirt Niko Paech ausdrückt: "Wir werden anfangen, unser Leben zu entrümpeln und zu entschleunigen." (Ebd.) Weniger Fernreisen, Produkte länger nutzen. Die Fachleute reden in diesem Zusammenhang von Suffizienz, zu Deutsch: Genügsamkeit.

Wir müssen uns lösen von dem Diktat des Wachstums, hin zu einer "Weniger ist mehr"-Einstellung. Voraussetzung dafür ist eine Haltung der Dankbarkeit, so wie sie unser Andachtstext ausdrückt. Diese Grundhaltung der Dankbarkeit, ermöglicht uns zufrieden zu sein, mit dem, was Gott uns in diesem Leben geschenkt hat. Wofür kann ich in diesem Augenblick Gott danken?

Roland Nickel


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