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Kurz an(ge)dacht ...

 [Jesus sagte:] Bleibt mit mir verbunden, und ich werde ebenso mit euch verbunden bleiben. Johannes 15,4a (Hoffnung für alle)


Mehrmals hatte Jesus seinen Jüngern angekündigt, dass er diese Erde wieder verlassen werde. Doch in seinen Abschiedsreden spricht er vom Bleiben. Wie kann er zum Bleiben auffordern, wenn er selbst nicht bleibt? Das Bild vom Weinstock und den Reben erklärt, dass das eine das andere nicht ausschließt. Nach seinem Weggang wollte er durch seinen Geist und seine Worte in seinen Jüngern bleiben. Sein letztes Wort vor seiner Himmelfahrt im Bericht des Matthäus lautete: "Ich bin bei euch alle Tage bis an

der Welt Ende." (28,20)

Paulus hat das so beschrieben: "Darum lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir!" (Gal 2,20 Hfa) Das bedeutet: Jesus prägt das Denken und Handeln, schenkt das Wollen und Vollbringen. Wie die Rebe nur wachsen und reifen kann, wenn sie mit dem Weinstock verbunden bleibt, so erhält und stärkt der Auferstandene den Gläubigen in allen Lebensbereichen, der mit ihm verbunden bleibt.

"Bleiben" zählt zu den Herzwörtern der Heiligen Schrift, es begegnet uns 118-mal im Neuen Testament. Christsein kann man kurz und umfassend mit zwei Tätigkeitsworten beschreiben: zu Christus kommen und in Christus bleiben. Dabei ist das Letzte wichtiger als das Erste. Zu Christus kommen, ihn aufnehmen, wiedergeboren werden ist sicher ein einzigartiges Geschehen im Leben eines Menschen. Aber Jahrzehnte lang an dieser Entscheidung festhalten, auch unter widrigen Umständen, erfordert weit mehr Entschlossenheit und Durchhaltevermögen als der Entschluss zur Nachfolge. Und vor allem, das Bleiben entscheidet über das Erreichen des Zieles: "Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden." (Mk 13,13 EB) Gemeint ist nicht das formale Bleiben, etwa in der Gemeindeliste, sondern das Bleiben in Christus, die lebendige Verbindung zur Quelle des neuen Lebens.

Den ersten Christen stellt die Bibel das Zeugnis aus: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet." (Apg 2,42) Wie betroffen und enttäuscht schreibt Paulus später von Gemeindegliedern, sogar von einem ehemaligen Mitarbeiter, dass sie nicht "in Christus" geblieben sind, sondern sich wieder der Welt zugewandt haben. Nicht der Anfang, auch nicht die Zahl der Jahre in der Nachfolge, sondern das Ende entscheidet über unsere Ewigkeit.

Joachim Hildebrandt


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